Gelesenes

2
Jan
2007

John Irving: Die wilde Geschichte vom Wassertrinker

Fred Bogus Trumpers Leben regiert das Chaos: die Ehe mit der Skiläuferin Sue "Biggie" Kunft ist gescheitert; seine derzeitige Geliebte Tulpen will unbedingt ein Kind und sein Sexleben ist dank einer Geschlechtskrankheit ein voller Flop. Obendrein kommen die Probleme mit seiner Doktorarbeit und das nervige Filmprojekt seines Kumpels Ralph Packer, der unbedingt Bogus' verkorkstes Leben dokumentieren will. Für Bogus gibt es schließlich nur einen Ausweg aus dieser Misere: Er begibt sich auf die Suche nach seinem alten Kumpel, dem Diabetiker Merrill Overturf - und nach sich selbst...

Es ist ein herrlicher Genuß, zu verfolgen, wie Irving die Geschichte des antriebslosen und doch sehr sympathischen Antihelden Bogus Trumper erzählt. Dabei gelingt es Irving mühelos, dem Leser seine manchmal verschrobenen, aber doch sehr liebenswürdigen und lebensnahen Charaktere nahe zu bringen und Interesse für ihre oftmals skurrilen Abenteuer zu wecken. Besonders im Gedächtnis blieb mir die Figur des Merril Overturfs - endlich mal wurden ein Diabetiker und die Probleme mit dieser Krankheit authentisch dargestellt und ein Diabetiker durfte endlich auch mal über die Stränge schlagen.

Als Highlight neben den vielen kleinen Detailschilderungen, die oftmals strotzen vor Ironie und gleichzeitigem Respekt, wie beispielsweise Tulpens Aquarienlandschaft oder die Jagd nach der kleinen Risky Mouse in Biggies Keller, empfand ich vor allem die immer wieder eingestreuten Sprengsel von der (fiktiven?) altniedernordischen Ballade "Akthelt und Gunnel", an denen sich Bogus mehr als einmal die Zähne ausbeisst und die, obwohl sie oft völlig fehl am Platz scheinen, sich doch auf wundersame Weise in das Gesamtgeschehen einfügen und dem Lesevergnügen noch die Krone aufsetzen.

31
Dez
2006

Mitch Albom: Die fünf Menschen, die dir im Himmel begegnen

An seinem 83. Geburtstag kommt Eddie bei einem Unfall ums Leben. Es scheint das tragische Ende eines bedeutungslosen Daseins. Doch im Jenseits begegnet er fünf Menschen, die in seinem Leben eine entscheidende Rolle gespielt haben. Anhand ihrer Erzählungen offenbaren sie Eddie Zusammenhänge in seinem Schicksal, die ihm bislang verborgen waren. Sie lehren ihn, sich mit seiner Vergangenheit zu versöhnen und zeigen ihm den verborgenen Sinn in einem nur scheinbar bedeutungslosen Sein.

21
Dez
2006

Paulo Coelho: Der Alchemist

Der Alchimist präsentiert eine schlichte, auf einfachen Wahrheiten beruhende Fabel, gibt ihr aber einen höchst ungewöhnlichen Rahmen. Und obwohl wir hier das Rezept für einen Bestseller wittern mögen -- ein neues ist es sicherlich nicht. Schon die Geschichtenerzähler in den alten Stammeskulturen wußten, daß dies der beste Weg war, ein Publikum erfolgreich zu unterhalten, während man gleichzeitig die eine oder andere Lehre mit einfließen ließ.

Der brasilianische Geschichtenerzähler Paulo Coelho macht uns mit Santiago bekannt, einem andalusischen Hirtenjungen, der eines Nachts von einem fernen Schatz in den ägyptischen Pyramiden träumt. Und so macht sich Santiago auf den Weg: er verläßt Spanien, um buchstäblich seinem Traum zu folgen.

Unterwegs trifft er auf viele spirituelle Boten, die in bescheidenen Formen auftreten -- zum Beispiel als Kameltreiber oder als belesener Engländer. In einem der Bücher des Engländers erfährt Santiago zum ersten Mal von den Alchimisten -- Männern, die glaubten, daß, wenn man ein Metall jahrelang erhitzt, es sich von all seinen individuellen Eigenschaften befreien würde, und daß das, was übrigbliebe, die "Seele der Welt" sei. Natürlich trifft er irgendwann tatsächlich auf einen Alchimisten, und die daraus entstehende Lehrer-Schüler-Beziehung rückt das irrige Weltbild des Jungen zurecht, während sie ihn gleichzeitig dazu ermutigt, seinen Träumen treu zu bleiben. "Mein Herz fürchtet sich davor, zu leiden", vertraut der Junge dem Alchimisten eines Nachts an, als sie in den mondlosen Himmel schauen.

"Sag deinem Herz, daß die Furcht vor dem Leiden schlimmer ist, als das Leiden selbst", antwortet der Alchimist. "Und daß noch nie ein Herz auf der Suche nach seinen Träumen gelitten hat, weil jede Sekunde der Suche eine Sekunde der Begegnung mit Gott und der Ewigkeit ist."

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